Muster-Versammlungsstättenverordnung (MVStättVO) im Stadion

Das älteste Stadion Deutschlands für Fußballspiele seit 1905 in Betrieb wurde 2018 das letzte Mal renoviert

Das Waldau-Stadion in Stuttgart, die Heimspielstätte des Regionalligisten Stuttgarter Kickers, mag auf den ersten Blick eine charmante und traditionsreiche Arena sein, aber bei genauerer Betrachtung offenbart sich eine ernüchternde Realität. Trotz einer Gesamtkapazität von 11.468 Plätzen, von denen laut den Vorschriften der Musterversammlungsstättenverordnung 57 Plätze für Rollstuhlfahrer vorgesehen sind, steht dieses Stadion mit 30 Plätzen stellvertretend für die mangelnde Barrierefreiheit und Inklusion im deutschen Sport.

Der Kern des Problems liegt in der unzureichenden Anzahl an Rollstuhlfahrerplätzen im Verhältnis zur Gesamtkapazität. Gemäß der Musterversammlungsstättenverordnung sollte eine Spielstätte dieser Größe mindestens 0,5% ihrer Plätze für Rollstuhlfahrer reservieren. Doch mit nur 30 Rollstuhlfahrerplätzen verfehlt das Waldau-Stadion mit fast der Hälfte deutlich diese Vorgabe. Dieses Missverhältnis führt zu einer eklatanten Unterrepräsentation von Menschen mit Behinderungen im Stadionpublikum und schließt sie effektiv von der Teilnahme am Live-Erlebnis ihrer Lieblingsmannschaft aus.

Die Konsequenzen dieser unzureichenden barrierefreien Infrastruktur sind vielschichtig und weitreichend. Rollstuhlfahrer und andere Menschen mit Mobilitätseinschränkungen werden systematisch von der Teilnahme an Sportveranstaltungen ausgeschlossen, was nicht nur eine Verletzung ihrer Rechte darstellt, sondern auch ein deutliches Zeichen der sozialen Ausgrenzung ist. Darüber hinaus sendet das Waldau-Stadion eine bedauerliche Botschaft an die Gesellschaft, dass die Bedürfnisse von Menschen mit Behinderungen nach wie vor nicht angemessen berücksichtigt werden und ihre Inklusion von geringer Priorität ist.

Es ist entscheidend, dass Institutionen wie die Stuttgarter Kickers und die Stadt Stuttgart aktiv Maßnahmen ergreifen, um die Barrierefreiheit im Waldau-Stadion zu verbessern. Dies erfordert nicht nur die Erweiterung der Anzahl von Rollstuhlfahrerplätzen, um den Vorschriften zu entsprechen, sondern auch die Schaffung eines ganzheitlichen barrierefreien Erlebnisses, das den Zugang für Menschen mit verschiedenen Arten von Behinderungen gewährleistet.

Darüber hinaus sollten die Verantwortlichen des Stadions und des Vereins die Gelegenheit nutzen, um eine breitere Diskussion über die Bedeutung von Barrierefreiheit und Inklusion im Sport anzustoßen. Indem sie Barrieren abbauen und die Teilhabe für alle ermöglichen, können sie nicht nur die Lebensqualität von Menschen mit Behinderungen verbessern, sondern auch eine vielfältigere und integrativere Sportkultur fördern.

Insgesamt ist das Waldau-Stadion in seiner aktuellen Form ein trauriges Beispiel für die anhaltenden Herausforderungen im Bereich der Barrierefreiheit im Sport. Es ist an der Zeit, dass die Verantwortlichen handeln und sicherstellen, dass alle Fans, unabhängig von ihren Fähigkeiten, die gleiche Möglichkeit haben, das Spiel zu erleben und zu genießen.