Abseitsfalle Rollstuhlstellplätze

Auf Abseitsfalle für Rollstuhlfahrer gestoßen: Ein Blick auf die „Barrierefreiheit“ in deutschen Stadien

Von: Rolf Allerdissen

Irgendwann kommt wieder diese Zeit des Jahres – wenn nach dem Urlaub zu Hause die Grills angeheizt werden, die Fans ihre Trikots entstauben und die Stadien nach der Europameisterschaft in Deutschland zum Leben erwachen. Doch während sich die Masse auf die bevorstehende Fußball-Saison 2024/25 vorbereitet, bleiben einige von uns, so wie der Rollstuhlfan10, zurück und fragt sich: Warum hält sich niemand an die verdammten Vorschriften?

Die Rede ist von der berüchtigten 0,5%-Regelung der Muster-Versammlungsstättenverordnung, die vorschreibt, dass Stadien ab einer Zahl von 5.000 Plätzen 0,5% ihrer Gesamtkapazität für Rollstuhlfahrer reservieren sollten. Klingt nach einem fairen Deal, oder? Nun ja, nicht, wenn du einen Blick auf die Realität wirfst.

Beginnen wir mit einer kurzen Tour durch die Bundesligastadien, wo die Missachtung der Vorschriften zu einem wahren Sport geworden ist. Nehmen wir beispielsweise das „Mauern im Rollstuhl“-Stadion in Dortmund, das stolze 0,089% seiner Sitze für Rollstuhlfahrer bereithält. Herzlichen Dank, aber ich glaube, ich überspringe lieber den Applaus.

Und dann haben wir noch das „Barriereparadies“ in Sandhausen, das großzügige 0,053% der Plätze für uns abzweigt. Na, vielen Dank für die Einladung, aber ich glaube, ich bleibe lieber zu Hause und schaue das Spiel auf meinem klapprigen Fernseher.

Aber Moment mal, es wird noch besser! Schauen wir uns das „Rollstuhlroulette“-Stadion in Mannheim an, das mit seinen 0,058% der Plätze versucht, uns zu locken. Nun, ich muss zugeben, ich liebe eine gute Wette, aber auf die Hoffnung, einen Platz zu ergattern? Nein danke, ich bleibe bei meiner Lotterie.

Und während wir diese satirische Welttour durch die Barrierefreiheit machen, frage ich mich: Warum zur Hölle hält sich keiner an die verdammten Vorschriften? Sind wir Rollstuhlfahrer so unsichtbar, dass wir sogar auf dem Rasen übersehen werden?

Es ist an der Zeit, dass die Behörden und Stadionbetreiber aus ihrer Abseitsfalle herauskommen und die Regeln einhalten. Denn während sie sich über ihre Siege und Niederlagen freuen, kämpfen wir Rollstuhlfahrer immer noch darum, einen Platz im Spiel zu finden. Es ist höchste Zeit, dass wir vom Spielfeldrand ins Rampenlicht treten – und das nicht nur als Statistik, sondern als gleichberechtigte Fans.